Mittwoch, 5. November 2008
Herr DAU in der Bahn
Was macht unser aller Lieblings-Telefonhotline-Anrufer Herr DAU eigentlich so in seiner Freizeit?


Habt Ihr euch schon mal gefragt, was Herr DAU so in seiner Freizeit treibt? Ich nicht. Aber trotzdem habe ich es heute erfahren...

8Uhr morgens – Irgendwo in Deutschland (oder genauer: Irgendwo auf der S-Bahn-Strecke zwischen Rüsselsheim und Frankfurt HBF)

Ich sitze (mit einem Buch bewaffnet) in der S-Bahn, die mich jeden morgen nach Frankfurt zur Arbeit bringt. Ich freue mich, denn ich habe einen von den seltenen Sitzplätzen ergattert (ohne Blutvergießen) und das obwohl im Moment „Automechanika“-Messe ist und Sitzplätze (auch mit Blutvergießen) nur schwer zu beschaffen sind.
Also freue ich mich (da ich sitze) schon auf die unvermeidliche Durchsage:
„Meine Damen und Herren, bitte beachten sie: Auf Grund vorausgegangener Verspätungen wird sich unsere Weiterfahrt um wenige Minuten verzögern. Wir danken für ihr Verständnis.“
(Selbstverständlich werden wir diese überaus freundliche, aber vollständig Verrauschte Auskunft erst nach 5-minütigem Stehen in einem Tunnel ohne Licht - ist doch wohl klar, oder? - erhalten).
Und, wer hätte es gedacht, nach fünf Minuten ist es endlich soweit. Wir fahren in den ersten Tunnel, selbstverständlich ist in der Bahn nur die Notbeleuchtung an. Zum weiterlesen also zu dunkel; macht nix, mein buch ist nicht gerade spannend... Vielleicht sollte ich meinen MP3-Player auspacken? Während ich versuche diese nicht gerade leichte Entscheidung (weil noch müde) zu treffen, passiert es:
Ich höre ein Gespräch mit. Das ist nicht weiter schwierig, denn die Gesprächspartner stehen direkt neben mir:

Herr DAU: „Was ist denn jetzt los?“
Sie (Frau DAU vermutlich): „Wir stehen.“ (*ach?*)
Er: „Aber wieso?“
Sie: „Vielleicht überholt uns ein Zug?“ (*na klar, im Tunnel, der andere Zug fliegt einfach darüber..*.)
Er: „Aha. Ja, das wäre möglich, denke ich.“ (*ich nicht!*)
Sie: „Wie müssen wir denn jetzt eigentlich fahren?“
Er: „Bis Taunusanlage, dann können wir zur messe laufen“ (*es wäre ja auch zu einfach mit dem Zug bis zur Messe zu fahren...*)
Sie: „Da müssen wir gleich schon raus, oder?“ (*genau, weil diese S-Bahn mit mindestens 100km/h nach Frankfurt fährt... Okay, ich räume ein, dass sie die Strecke vielleicht nicht kennt und nicht weiß, dass es bis zum Hbf noch zwanzig Minuten fahrt sind, wo man umsteigen könnte zur Messe, bis zur Taunusanlage ist es aber sogar noch eine Station weiter...*)
Er: „Nein, ich glaube nicht...“

- kramt in seiner Tasche, zieht einen Zettel heraus, hält ihn sich an die Augen

„Kann ich nicht lesen... du?“

- Und hält ihn ihr ins Gesicht
Sie: „Ta-unu-san-lage.....
.....
.....
.....
ach, Taunusanlage (*ich frage mich ob sie blond ist. Ein schneller Blick verrät mir, JA und sogar gefärbt...*), dahinter steht 34min“
Er (aufgeregt): „Das ist die Fahrtzeit! Wir sind jetzt schon seit“

- Blick auf die Armbanduhr – natürlich mit eingebautem Licht –

„10 Minuten unterwegs, d.h. wir müssen noch 14 Minuten fahren...“
(*falsch! 1. stehen wir hier schon ein paar Minuten und 2. wenn wir hier schon stehen werden wir spätestens am Sportfeld halten müssen, um uns von der nächsten S-Bahn (noch pünktlich) überholen zu lassen und werden deshalb nicht direkt in den Bahnhof fahren können, weil da dann auf unserem Gleis noch die S1 steht...*)

Sie - holt Luft: ...

- Die obligatorische Durchsage -

Sie: „Hast du das gehört?“
(*nein, hat er bestimmt nicht, die Ansage wurde von ihren Ohren absorbiert, so dass nur sie sie hören konnte...*)
Er (empört): „Ja wieso müssen wir denn stehen bleiben, wenn die anderen zu spät sind!“
(*Vielleicht weil sich der Zug vor uns auf dem Gleis nicht in Luft auflösen kann???*)
Sie: „unglaublich!“

Pause

Sie: „Weißt du wie wir von der Taunusanlage aus laufen müssen?“
Er (stolz): „Ja. Ich war im Internet
(*mein aufrichtiges Mitleid an den zuständigen Hotline-Menschen*)
und habe es in einem Routenplaner nachgesehen. Und mir abgeschrieben
(*drucken wäre auch wirklich zu kompliziert gewesen!*).
Ich hab den Zettel in der Tasche. Aber ich weiß, dass wir erst einmal auf der So-und-So-Straße 0,8km geradeaus gehen müssen...“
(*die werden den Weg nie finden...*)
Sie: „Wie praktisch. Gut, dass es das Internet gibt“
Er: „Ja, nur schade das es so englisch ist“ (*???*)

- Der Zug fährt weiter -
Ich wende mich lieber wieder meinem Buch zu, bevor mein IQ um weitere 10 Punkte sinkt.
- Wir halten am Sportfeld -
- Wir warten am Sportfeld -
- Wir fahren in den Tunnel des Hauptbahnhofs -
- Wir stehen -
- Durchsage: -
„Meine Damen und Herren auf Grund eines besetzten Gleises kommt es zu einer kleinen Verzögerung. Wir bedanken uns für ihr Verständnis.“

Sie: „Wie komme ich eigentlich zurück? Ohne dich finde ich den Weg zu Fuß doch nie zurück.“ (*___*)
Er: „Hmmm, daran hab ich noch gar nicht gedacht“
Sie: „Die Dame am Bahnschalter hat mir gesagt, ich könnte die U4 nehmen.“
Er (ungläubig): „Aber woher sollst du denn wissen, wo die fährt!“ (*Hmm, tja es ist schon schwer diesen großen Hinweisschildern im Messegebäude zu folgen, schließlich ist der U-Bahn Zugang ja auch nur im Messegebäude und deshalb wirklich überall ausgeschildert...; Gut, OK, unfair von mir, vielleicht waren sie noch nie da*)
Er: „Und ausgeschildert ist das nicht, sonst hätte ich das ja in den letzten zwei Tagen bemerkt“ (*staun!!!!*ich meine, also, nee! Und überhaupt, wenn er schon da war, wieso kennt er dann den Weg nicht und weiß nicht wie lang die S-Bahn fährt? Fragen über Fragen*)
Sie: „Und jetzt?“
Ich: „Der Zugang zur U-Bahn ist im Untergeschoss der Messe. Den können Sie gar nicht verfehlen.“ (*Wer hat das gesagt? Oh Gott, ich glaub das war ich. Aaah! Böses Gehirn, böses! Du sollst doch nicht einfach so was sagen. Was, wenn sie mich gehört haben?*)

Sie schaut sich suchend um.

(*Mist! Mist! Mist! Sie hat es gehört!*)

Sie – entdeckt mich im schummerlicht: „Direkt im Messegebäude?“
Ich – mit bemüht freundlichem Lächeln: „Ja genau. Der Weg dahin ist ausgeschildert und wenn Sie die Schilder übersehen sollten, fragen Sie am besten an einem Informations-Punkt.“
Er (brummt): „Da gibt es keine Schilder.“
Ich – noch freundlicher: „Die kann man ganz leicht übersehen, wenn man nicht gezielt danach Ausschau hält“ (*ja, dann sieht man sie erst, wenn man dagegen läuft*)
Sie: „Ja dann kann ich vielleicht wirklich mit der U4 zurück fahren. Ach, aber ich weiß ja gar nicht bis wohin.“
Ich – (ich helfe doch gerne): „Bis zum Hauptbahnhof und dann in ihre S-Bahn umsteigen.“
Sie: „Oh, danke, das ist wirklich nett von Ihnen“
Ich: „Gerne“ (*wahrscheinlich ist sie doch nicht Frau DAU, nur eine arme Bekannte...*)
Er: „Schaffst du das – Umsteigen?“ (*nein, um Umsteigen zu überleben sollte man vorher mindestens ein Jahr lang trainieren, sonst hat man keine Chance!*)
Sie: „Ich werde es schon irgendwie hinbekommen.“ (*wie heroisch*)
Er: „Also mir ist das zu kompliziert, ich werde zurücklaufen“ (*ich freue mich schon auf die Radiomeldung von heute Nachmittag: „Die Polizei Frankfurt bittet um ihre Mithilfe. Vermisst wird ein Herr in mittlerem Alter. Als er zuletzt gesehen wurde trug er einen grauen Anzug und eine [spießige] Krawatte. Er trägt einen Aktenkoffer bei sich. Nach Information der zuständigen Ermittler befand er sich zu Fuß auf dem Weg vom Messegelände zur Taunusanlage. Falls sie ihn sehen sollten melden sie sich bitte bei der zuständigen Polizeidienststelle oder unter...“*)

Sie: „Ich habe leider noch einen späten Termin“ (*höre ich da ein geheucheltes Bedauern? Oder bilde ich mir das nur ein?*)
Er: „Sind sie sicher, dass man mit der U-Bahn von der Messe auch wieder zurückkommt?“ (*ich weiß sogar, dass man so auch hinkommt, aber das werde ich dir lieber nicht sagen, sonst bist du gleich in meiner U-Bahn...*)
Ich: „Ja, ich fahre die Strecke jeden Tag.“
Er: „Aha.“ Zu ihr: „Vielleicht solltest du dir doch lieber ein Taxi nehmen.“
Sie: „Ja vielleicht“ (*also nein ;-) *)

- Der Zug fährt weiter -
- Wir fahren in den Hauptbahnhof ein. -
Ich stehe auf und sehe zu, wie das Meer aus Japanern, dass das Abteil bevölkert seine Sachen zusammensucht.

Sie: „Müssen wir hier raus?“
Er: „Nein, die nächste.“ (*Aha, er kennt den Weg also doch!*)
Sie: „Aber die Japaner haben alle Messeausweise um. Und die steigen hier aus.“ (*Sie ist definitiv nicht Frau DAU!*)
Er: „Die folgen bestimmt alle der komplizierten offiziellen Anfahrtsbeschreibung: Erst mit der S-Bahn bis Hauptbahnhof und dann mit der U-Bahn 4 weiter...“
(*?????????????___+%“?..!*)

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